Rezensionen

Leseeindruck: Das Lied der Krähen

Das Lied der Krähen
Leigh Bardugo
Knaur Verlag
593 Seiten

Wenn die Erwartungen einfach zu hoch sind…

Das Lied der Krähen haben wir im Mai in unserem Buchclub gelesen. Ich habe so viel Gutes gehört und meine Erwartungen wurden durch all die begeisterten Meinungen extrem nach oben gesetzt.
Als erstes: Fast überall wird kommuniziert, dass die Reihe für sich alleine steht. Die anderen bekannten Bücher der Autorin, die Grischa-Trilogie muss man nicht gelesen haben, weil es zwar die Grischas aufgreift, aber an einem komplett anderen Ort und Zeitpunkt spielt. Das mag zwar so stimmen – aber ich glaube, dass man doch deutlich im Vorteil ist, wenn man die Grischa-Bücher vorher gelesen hat. Ich selbst war am Anfang komplett überfordert von den ganzen Namen, Orten, Bezeichnungen und auch den Zusammenhängen. Ja, das kann natürlich auch an mir liegen aber aus unserem Buchclub weiß ich, dass es nicht nur mir so ging.

Ich brauchte einige Kapitel um überhaupt dahinter zu steigen, wer wer und was ist. Dann, als ich die verschiedenen Teile in meinem Kopf zusamensetzen konnte, kam langsam Vorfreude auf und ich spürte in mir dieses Gefühl von: “Das kann etwas ganz Großes werden”. Wenn man sich erstmal damit angefreundet hat, dann ist das Setting genial: Düster, brutal, dunkel – sowas mag ich ja im passenden Rahmen total gerne.

Auch die unterschiedlichen Charaktere, die alle ihre eigenen Kapitel bekommen, konnten mich in ihren Bann ziehen. Je weiter ich gelesen habe, desto faszinierter war ich von den Verbindungen, den Geheimnissen, den Hintergründen und wie sie so wurden, wie sie jetzt sind. Die Charaktere sind absolut vielfältig, in jeder Art und Weise, und müssen sich teilweise erstmal zusammenraufen.

Eine Gruppe von Außenseitern, alle mit verschiedenen Fähigkeiten bricht auf zu einer Mission, die schier aussichtslos ist. Ein Hauch von Oceans Eleven, aber noch aussichtsloser und verbunden mit viel mehr Gefahr und Unwägbarkeiten.

“Sechs Menschen, aber eintausend Möglichkeiten, wie dieser wahnwitzige Plan schiefgehen könnte.”
(Das Lied der Krähen, Kapitel 30)

Es ist nicht so, dass mir das Buch gar nicht gefallen hat. Aber irgendwie habe ich, wahrscheinlich aufgrund der mega-begeisterten Stimmen, ständig auf noch mehr gewartet. Auf eine Überaschung, den absoluten “Wow, was war das denn”-Effekt und der ist leider nicht eingetreten. Es war spannend, keine Frage und es war auch gut gemacht. Aber mir fehlte für ein  Highlight noch deutlich mehr.

Ich hoffe, ich trete hier jetzt niemandem zu Nahe aber insbesondere von dem vielgelobten und gefeierten Kaz Brekker habe ich mir viel mehr erwartet. Er ist unberechenbar, manipulativ, clever und spielt seine Spielchen, das will ich gar nicht bestreiten. Aber ich hatte mir von ihm noch mehr Einfallsreichtum in manchen Situationen erwartet, manchmal hat er nur reagiert (gut, viel blieb ihm in dem Wahnsinn aus Unwägbarkeiten auch nicht übrig) statt noch einen gut vorbereiteten Joker aus dem Ärmel zu ziehen, den ich nicht erwartet habe. Ab einem gewissen Punkt stolpern sie eigentlich durch alles nur mit viel Glück durch. Ich habe mir viel mehr Einfallsreichtum und überraschende Aktionen von Kaz versprochen. Wobei – eigentlich war ja eigentlich doch alles so gewollt und für mich war das ZU gewollt.

Was mich dazu auch wirklich durchgehend irritiert hat: Das Alter. Ich konnte in meinem Kopf einfach nicht akzeptieren, dass die Charaktere so jung sind (der älteste der Truppe ist 18). Natürlich ist das Setting so, dass man “schnell erwachsen werden muss” um zu überleben. Aber auch aufgrund der Rückblicke, der Vergangenheit, wegen all dem, was sie schon erreicht und erlebt haben – ich habe das Alter von allen einfach mal 10 Jahre höher gesetzt und so passte es dann für mich.

Einige andere Dinge passten für mich auch nicht zusammen, das ist allerdings teilweise auch Geschmackssache und auf die werde ich jetzt, auch aus Spoilergründen, nicht eingehen.

Mein Fazit: “Das Lied der Krähen” ist eine Geschichte, die mich recht gut unterhalten konnte, aber zu einem Highlight hat es bei mir absolut nicht gereicht. Das mag daran liegen, das ich schlicht und einfach zu hohe Erwartungen hatte und mir noch mehr erhofft habe.

Derzeit bin ich noch unschlüssig, ob ich den zweiten Teil lesen will, ich denke aber eher nicht.

Das Buch

Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen …
Mit fünf Gefährten, die höchst unterschiedliche Motive antreiben, macht Kaz sich auf in den Norden, um einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs Krähen sind professionell, clever, und Kaz fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen – außer in Gegenwart der schönen Inej …

Quelle: Knaur Verlag

 

2 Kommentare

  • Aleshanee

    Huhu!

    Das ist wirklich sehr schade!
    Klar stehen die Krähen für sich alleine, sind woanders, zu einer anderen Zeit – aber dennoch gibts kleine Zusammenhänge, die man nicht versteht wenn man die Trilogie nicht kennt!
    Deshalb: immer der Reihe nach.

    Gestern gab es auf Facebook in einer Gruppe die gleiche Frage und wieder wurde teilweise gesagt, man braucht die Grischa Trilogie nicht vorher lesen … verstehe ich nicht. Vor allem wenn man weiterlesen möchte mit King of Scars, da braucht man meiner Meinung nach unbedingt das Vorwissen.

    Für mich war der erste Krähenband jedenfalls ein Highlight. Und vor allem auch durch Kaz <3

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • SinaPuck

      Guten Morgen! Ich sehe das genau so und wollte deshalb unbedingt darauf hinweisen. Der Einstieg wäre mir mit Vorkenntnissen sicherlich leichter gefallen.
      Ich freue mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat! In unserem Buchclub war echt alles dabei an Meinungen – von absolut mega bis hin zu “hat gar nicht gepackt” und einem Abbruch. Selten hat uns ein Buch so geteilt – aber das macht die Diskussion und die Unterhaltung darüber umso spannender.

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