Rezensionen

Leseeindruck: Fair play

Fair play: Spiel mit, sonst verlierst du alles!
Kerstin Gulden
Rohwohlt Verlag
336 Seiten

Ein Schulexperiment, das ein wenig außer Kontrolle gerät? Die Geschichte mag bekannt klingen, macht aber nichts! Zumindest für mich nicht.

Fair play verbindet viele Themen, unter anderem Umweltschutz und Social Media und ich war schon lange neugierig auf das Buch.

Das Buch wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt, von den vier SchülerInnen die ausgesucht werden, das Experiment zu leiten. Die vier sind charakterlich komplett unterschiedlich und stellen mit ihren Eigenschaften die unterschiedlichen Typen innerhalb der Gesellschaft eigentlich gut dar: ein unbeliebter und gemobbter Computernerd, der durch die Entwicklung der App “neuen Ruhm” erlangt, eine Umweltschützerin auf deren Idee der Wettbewerb basiert, eine relativ erfolgreiche Influencerin und ein beliebter Schüler, der zwar Teil der Gruppe ist, am Experiment aber nicht teilnimmt – der Gegenpart sozusagen.
Ja, ein bisschen klischeehaft, hat mich aber nicht gestört.

Kurze Zusammenfassung des Projektes: Ein Schulwettbewerb zum Thema Klimaschutz. Erfasst wird der ökologische Fußabdruck – alles, wirklich alles was tust, isst, trinkst, wie du etwas kaufst, to go oder nicht to go, wie du dich fortbewegst und wieviel Energie du verbrauchst, wird durch eine App erfasst und auf deinem Social Media Account widergespiegelt: Grüner Icon – super, roter Balken ist natürlich schlecht. Reißt man sich dadurch mehr zusammen und kann man dadurch vielleicht ein bisschen die Welt retten?

Phhh, tja. Würde ich mitmachen wollen? Nun ja, es ist so ein Gruppending und je mehr mitmachen, auf umso mehr Schultern verteilt sich die Last. Natürlich wird es leichter, wenn mehr SchülerInnen, am besten die ganze Schule mitmacht. Und natürlich gibt es viele, die den Schulwettbewerb gewinnen wollen und dafür muss am Ende die Bilanz stimmen.
Ihr ahnt, was passiert? Der soziale Druck ist bei so einem Experiment einfach nicht zu unterschätzen. Wenn auf deinem Social Media Account ein roter Balken erscheint und somit öffentlich ersichtlich ist, dass du mehr Ressourcen verbrauchst, als zur Verfügung stehen – dann kann der Druck schon mal hoch werden. Genauso wie Teil der Gruppe zu werden – denn alle, die nicht mitmachen, denen wird automatisch ein großer “Betrag” abgezogen, der von den Teilnehmenden ausgeglichen werden muss.

Die Idee dahinter genial – aber auch ein wenig futuristisch (noch). Wenn wir alle mal Chips und Kameras implantiert haben, dann ist es wahrscheinlich ein Kinderspiel! Die App erkennt auch, z.B. was du isst, ob du lokal einkaufst, anbaust bzw. stellt auch die passenden Fragen dazu. Knackpunkt ist: man muss natürlich immer sein Handy parat haben und auch immer ehrlich alles angeben.

Auch wenn ich die Umsetzung für noch nicht ganz realistisch fand, die Idee dahinter und besonders die sich entwickelnde Dynamik war gut ausgearbeitet. Besonders die vier Charaktere, aus deren Perspektive wir die Geschichte lesen, haben neben dem Wettbewerb auch mit ihren persönlichen Problemen zu kämpfen, die sich aber gut mit “Fair play” kombinieren.

Man bekommt also zusätzlich also noch ein wenig “Teenager-Drama” und durch die “Politisierung” auch noch einen Hauch Thriller – das hat mich aber nicht gestört, weil es sich gut in die Geschichte einfügte und zum Teil auch nötig war, um die Entwicklung aufzuzeigen. Wer keine Teenager-Dramen mag, für den ist das Buch vielleicht eher nichts, weil es einen großen Teil des Buches einnimmt. Mobbing, Gruppenzwang, Lügen, Betrug – in der Geschichte war eigentlich durchgehend was los und mich konnte es gut unterhalten.

 

Das Buch

Opfer. Will man nicht bringen, will man nicht sein. Trotzdem haben wir nach den Sommerferien beschlossen, etwas zu opfern: unsere Freiheit. Zumindest für drei Monate. Wir kriegen etwas Besseres für das, was wir aufgeben, dachten wir. Da war das große Ziel, klar, das offizielle: die Welt retten, wenigstens ein bisschen. Vielleicht wäre das Experiment nicht außer Kontrolle geraten, wenn es dabei geblieben wäre. Aber jeder von uns hatte auch einen persönlichen Grund mitzumachen … oder zu rebellieren: Status, Geld, Rache, Liebe.
Und so verloren wir mehr, als wir einsetzen wollten. Einen von uns.

Ein Wettbewerb. Eine Schule. Und eine gewagte Idee: Was, wenn jeder deine Umweltsünden auf deinen Social-Media-Accounts sehen könnte? Würdest du dich zusammenreißen? Nur noch so viel verbrauchen an Energie, Essen, einfach allem, damit das Icon deiner App grün bleibt statt rot? Würdest du fair spielen? Oder … ODER???

Ein fesselnder Roman über ein Experiment, das außer Kontrolle gerät.
Quelle: Rohwohlt Verlag

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