Rezensionen

Leseeindruck: Ich verliere mich nicht

Ich verliere mich nicht
Anika Ackermann
354 Seiten

Irgendwie zufällig bin ich über dieses Buch gestolpert – was für ein Glücksgriff! Bad Boys in Geschichten? Ich gebe ja zu, dass ich das gerne lese. Was aber, wenn der Bad Boy in der Geschichte sich als nicht zu retten herausstellt? Eine schlechte Vergangenheit? Liebe kann alles retten? Nein, leider ist das in der Realität tatsächlich nicht immer so und deswegen empfand ich dieses Buch auch als so unglaublich gut und wichtig.

New Adult und die typischen Bad Boys werden von vielen Lesern und Bloggern ja oft als schlechtes Vorbild kritisiert. Dass toxische Beziehungen verharmlost werden  und dass insbesondere jüngere Leser in den Büchern womöglich bestätigt werden könnten, sich schlecht behandeln zu lassen – weil am Ende ja doch immer alles gut wird. Die Kritik an sich verstehe ich schon – ich sehe mich als Bloggerin jedoch nicht unbedingt dafür verantwortlich. Ich als Mutter bin verantwortlich dafür, was meine Tochter liest, ganz klar. Ich habe auch schon mit meiner Tochter über viele Bücher gesprochen, wir haben über Edward aus Twilight gescherzt, dass er, wie er nachts in Bellas  Schlafzimmer sitzt und sie beobachtet und auch, wie er ihr Vorschriften macht, eher ein Stalker und halbwegs Irrer wäre – so in der Realität. Nichtsdestotrotz mochte ich die Bücher.

Jetzt aber zurück zu dem Buch, ich schweife ab. In “Ich verliere mich nicht” haben wir es tatsächlich mit einem “Bad Boy” zu tun – auch mit Gewalt, körperlicher und emotionaler, zu tun. Und hier ist das Ganze nämlich gar nicht mehr lustig. Wir steigen schon mitten in der Beziehung ein – anfangs war alles gut bei Louisa und Damian, allerdings verändert er sich mehr und mehr und egal, wie sie es macht: Es ist immer falsch. Louisa ist ein richtiger Bücherwurm – man sollte nicht meinen, dass das zu Diskussionen führen sollte. Aber tja – wenn dein Freund neidisch ist auf die Geschichten und die Zeit, die du mit ihnen verbringst, dann kann auch das zu einem handfesten Streit ausarten. Louisa merkt die Veränderung und das aggressive Verhalten Damians natürlich auch – aber zum einen will sie es nicht wirklich wahrhaben und sie gibt auch oft sich selbst die Schuld.

Klingt nach viel Drama? Ist es, aber das Buch ist wahnsinnig gut geschrieben. Louisa ist ein wahnsinnig sympathischer Charakter, dem ich alles abgekauft habe. Abgekauft ist falsch – ich habe sie und ihre Handlungen absolut verstanden und habe wahnsinnig mit ihr gelitten. Die schleichende Angst, die totale Panik, ihre Verlorenheit – die Autorin hat es greifbar beschrieben und mich einfach fühlen lassen. Das Buch behandelt zum einen die Zeit der Gewalt – aber auch die Zeit danach, denn auch die hat es in sich.

Am meisten an dem Buch gefallen, haben mir, neben der Geschichte natürlich, die verschiedenen Charaktere. Louisas Freundinnen, die ich beide ständig knutschen wollte. Lex, der erst später dazu kommt aber einfach grandios ist & Emmet, der einfach mit Kleinigkeiten da ist. Ich mochte diese Truppe so sehr – auch weil sie manchmal schonungslos ehrlich zu Lousia waren. Sie waren immer da – aber haben ihr nicht bei allem den Hintern gepudert sondern ihr auch mal richtig die Meinung gesagt. Das mag wahrscheinlich nicht immer passen aber in diesem Fall war es richtig und wichtig.

Ich habe bisher noch nicht viele Bücher über Misshandlungen und körperliche Gewalt gelesen . Das erste war von Colleen Hoover (It ends with us/Nur noch ein einziges Mal) und es gehört zu meinen absoluten Favoriten der Autorin. Auch das Buch hat mich emotional echt mitgenommen – so wie dieses hier:  Warum ich nicht mehr Bücher zu diesem Thema lese? Das kann ich gar nicht genau sagen. Oftmals hören sich die Klappentexte zu dramatisch an – ich weiß, dass die Thematik dramatisch ist – aber ich mag Bücher mit der Brechstange nicht (falls Ihr versteht, was ich meine…). Diese beiden Bücher jedoch sind still und sensibilisieren, rütteln ein bisschen wach und geben dennoch Hoffnung.

Ich muss ja sagen, dass ich bei Colleen Hoover und auch bei Anika Ackermann beim Nachwort nochmal alles gegeben habe, was Tränen betrifft. Ich bin dankbar, dass ich eine solche Beziehung nie in einem solchen Ausmaß erleben musste und bewundere alle Frauen, die es schaffen, es hinter sich zu lassen und erstärkt aus dieser Situation kommen. Ihr seid Heldinnen.

In dem Buch gibt es vorab eine Trigger-Warnung. Ja, es ist hart zu lesen und ich kann mich gut vorstellen, dass Frauen (oder vielleicht auch Männer), die häusliche Gewalt oder toxische Beziehungen erlebt haben, mit diesem Buch Probleme oder sogar Rückschläge haben werden.

Allen anderen kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Es ist Emotion pur und zeigt auch die eher nicht so schönen Seite der Liebe. Aber es zeigt Freundschaft, jede Menge Mut und eventuell öffnet es auch die Augen. Denn Gewalt gibt es (leider) nicht nur in Büchern. Allerdings muss man sie erkennen und dafür gibt es Anzeichen.

Das Buch

‘Ich verliere mich nicht’ behandelt ein Thema, das nicht totgeschwiegen werden darf. Echt und einfühlsam. ‘Du kannst nicht glücklich werden, wenn du an Dingen festhältst, die dich traurig machen!’ Louisa Marie Sinclair ist endlich angekommen: Mit ihrem Studienfach Literatur lebt sie ihre Leidenschaft. Ihre beste Freundin teilt ihr Faible für Bücher. Und vor kurzem hat sie die erste gemeinsame Wohnung mit ihrem Freund Damian bezogen. Perfekter könnte ihr Leben nicht sein. Bis Damians charmante Fassade zu bröckeln beginnt und er sein wahres Gesicht zeigt. Ein Roman über gebrochenes Vertrauen, Gewalt und den Mut, neu anzufangen.

Quelle: Anika Ackermann

 

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