Rezensionen

Leseeindruck: Kissing Lessons

Kissing Lessons
Helen Hoang
KYSS Verlag (Rowohlt Verlag)
416 Seiten

Überall hört man begeisterte Stimmen zu dem Buch und so war ich schon seit langem neugierig. Eine Protagonistin mit Asperger-Autismus – heikles Thema, da muss man schon Feingefühl beweisen, um das ordentlich zu schreiben. Nachdem ich aber gelesen habe, dass die Autorin selbst mit dem Asperger-Symptom diagnostiziert wurde, war ich beruhigter.

Ich weiß, dass es viele verschiedene Erscheinungsformen und Ausprägungen gibt – dennoch fand ich es beruhigend, dass die Autorin sich die Dinge nicht einfach nur ausgedacht oder irgendwo nachgelesen hat, sondern dass es größtenteils ihre Gedanken, Gefühle und womöglich auch ihre “Macken” waren, die sie ins Buch hat einfließen lassen.

Zweiter möglicher Kritikpunkt, den ich hatte: Ein Escort, der ihr das Küssen beibringen soll. Ähhm ja, gleich mal vorweg: Er soll ihr deutlich mehr als das Küssen beibringen. Aber stellt Euch ein bisschen Pretty Woman vor, dazu aber kein Ausgehen sondern den Wunsch nach einem Lehrmeister. Romantisch geht also auch mit Escort.

Um es gleich mal vorweg zu sagen – ich fand die Geschichte der Beiden absolut bezaubernd und witzig. Stella war mir von Anfang an sympathisch – ich mochte sie sehr. Sie ist besessen von ihrer Arbeit und auch wirklich gut darin. Allerdings, und das weiß sie selbst, hat sie Probleme mit Menschen. In der Kommunikation aber auch bei Berührungen, die sie eher gar nicht mag. Zwei kurz aufeinanderfolgende Ereignisse bringen sie ins Grübeln – und strukturiert, wie sie an alles herangeht, überlegt sie, ob man das vielleicht doch lernen kann. Küssen, Sex, womöglich eine Beziehung. Dafür heuert sie sich einen Profi an, der muss schließlich wissen was er tut. Die Idee von ihr finde ich (theoretisch) sogar sehr clever. Mit Michael hat sie durch Zufall den perfekten Lehrer gefunden. Intuitiv geht er richtig auf sie ein und achtet auf ihre Bedürfnisse. Allerdings kommt er ihr näher, als er eigentlich will und geplant hat.

Stella ist aber auch auf ihre Art absolut bezaubernd. Sie weiß um ihre Probleme und versucht daran zu arbeiten. Geht manchmal gut, aber manchmal auch gnadenlos schief. Wie oft musste ich über sie lächeln – nicht weil ich sie verrückt oder komisch fand – wobei, komisch auf eine wirklich süße Art. Ihre Listen sind grandios.
Sie ist ein wirklich guter Mensch, der sich nichts Böses denkt – und dazu ist sie jederzeit absolut ehrlich. Allerdings kann sie auch nicht wirklich gut mit Ironie umgehen, das erkennt sie einfach nicht. Ach ja, Besessenheit ist übrigens generell eines ihrer Probleme. Sie ist bei Dingen entweder gleichgültig oder besessen und das erklärte mir auch, wie sie von “Ich mag nicht von Menschen angefasst werden” zu ihrer Haltung Michael gegenüber kam.

Ach – auch Michaels Familie ist absolut Zucker. Ein überdrehter, liebenswerter Haufen, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Michael selbst – er ist eigentlich perfekt. Für mich fast ein bisschen zu perfekt – allerdings trägt er ziemlich viele Zweifel mit sich herum. Er war mir von der Charakterausarbeitung her nicht “tief” genug – aber das ist Nörgeln auf höherem Niveau. Stella hingegen war für mich deutlich besser greifbar.

Zum Ende wurde es mir zu gewollt dramatisch – wie so oft in Büchern, nochmals ein großes Drama zum Schluss. Das hätte für mich nicht sein müssen – aber das ist etwas, was mich zur Zeit generell stört und wahrscheinlich mein persönliches Problem ist.

Mein Fazit: eine wirklich süße und witzige Geschichte, die mir gut gefallen hat.

Das Buch

Küssen sollte einfach sein. Jeder tut es. Es ist nicht viel dabei. Aber Stella kommt sich jedes Mal vor wie ein Hai, dem gerade ein paar Pilotfischchen die Zähne reinigen. Und das ist nicht schön, weder für sie noch für den Mann. Sie hat die Sache mit der Liebe schon beinahe aufgegeben – als Asperger-Autistin mag sie ohnehin nichts, was ihre Routine stört –, doch dann bringt ein dahingesagter Satz sie ins Grübeln: Übung macht den Meister. Stimmt das? Braucht sie einfach mehr Erfahrung? Und wenn ja, wer bringt einem das Küssen bei – und mehr? Vermutlich ein Profi, ein Escort. Wie Michael Phan. Auch wenn der eine ganz eigene Vorstellung von ihrem Unterricht hat …

Quelle: Rowohlt Verlag

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