Rezensionen

Rezension: All your perfects

All your perfects
Colleen Hoover
Atria Books
320 Seiten

Die Bücher von Colleen Hoover sollte man lesen, ohne den Klappentext zu lesen. Die englischen verraten zwar nicht zu viel, die deutschen sind teilweise eine Spoiler-Katastrophe. Da ich ausnahmslos jedes Buch von ihr kaufe, lasse ich mich aber auch überraschen – deshalb schreibe ich hier auch den Klappentext nicht dazu.

Ich habe dieses Buch von ungefähr zwei Stunden beendet und es fällt mir schwer, etwas darüber zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Fakt ist dass die Bücher von Colleen Hoover sich etwas verändern, bzw. ich habe das Gefühl. Sowohl Without Merit (ich mochte dieses Buch sehr) als auch All your perfects sind Bücher, die realistische Themen aufgreifen, die zum Leben dazu gehören, zum Leben ganz vieler Menschen. Colleen Hoover greift diese Themen auf, man beschäftigt sich damit und gerät ins Grübeln. Das ist einfach wunderbar, diese Themen sind so wichtig, dass sie gesagt werden müssen. An vielen von uns geht es vorbei: man hört davon, aber man ist nicht wirklich davon betroffen. Wie viele Menschen tatsächlich von der Thematik betroffen sind und wie sie sich fühlen – das lässt sich gar nicht erahnen. Ja, ich schwafel hier so vor mich hin ohne etwas konkret zu benennen. Aber ich wusste nicht worauf ich mich beim Lesen einlasse und das will ich auch anderen ermöglichen.

Zurück zu All your perfects: Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass es um die Liebe geht und um die Schwierigkeit, sie im Leben zu bewahren. Das Buch wechselt sich kapitelweise: THEN – am Anfang der Beziehung, NOW – dazu muss ich wohl nichts sagen – jetzt.

Quinn und Graham treffen sich auf eher ungewöhnliche Weise und es ist so faszinierend, das zu beobachten. Ganz typisch für die Autorin: sie hat ganz bezaubernde Charaktere erschaffen und die Situationen sind süß und lustig und zum dahin schmelzen. In der JETZT-Perspektive erwartet uns das komplette Gegenteil. Eine absolut deprimierende Situation, die ich aber komplett nachvollziehbar fand. Obwohl ich vom Grundthema her nicht mitsprechen kann – ich konnte Quinn absolut und so was von verstehen und mich in sie rein versetzen. Dieses Buch ist also tatsächlich ein absolutes Wechselbad der Gefühle: deprimierend – süß, deprimierend – fröhlich, traurig – glücksstrahlend und immer so weiter.

Es gab Kapitel, in denen ich nicht erwarten konnte ins THEN zurück zu kehren um die Leichtigkeit und das Goldige zu erleben – Graham ist einfach goldig, mit seiner absoluten Sicherheit, die Spaß zu sein schein und dennoch ist es klar, dass er daran glaubt.

Es gab Kapitel, in denen ich es nicht erwarten konnte, ins NOW zurück zu kehren weil ich wissen wollte, wie es weitergeht.

Ich weiß nicht, wie Colleen Hoover es macht, aber ich könnte mein Haus vollpflastern mit Zitaten und Weisheiten von ihr – sie schreibt so genial! Auch in diesem Buch gibt es Stellen, die ich immer und immer wieder lesen möchte, weil sie wahr sind, klug und zum Nachdenken anregen.

Das Buch ist absolut toll, ich bin begeistert und ich kann es aus vollstem Herzen jedem empfehlen. Dennoch ist es nicht mein Lieblingsbuch von ihr…Ich kann beim besten Willen nicht sagen, was mich gestört hat. Eigentlich nichts, nichts, das ich fassen oder wovon ich erzählen könnte aber irgendetwas, ein bisschen, hat mir gefehlt. Nein, auch nicht gefehlt, ich kann auch nur positives sagen, dennoch hadere ich im Nachgang mit etwas, das ich nicht greifen kann. Ich weiß, dass sich das blöd anhört und in einer Rezension nicht hilfreich ist – aber ich kann dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Es ist nur ein winziges Gefühl.  In diesem Zusammenhang passt wahrscheinlich auch ein Zitat aus dem Buch hervorragend:

“If you only shine light on your flaws, all your perfects will dim.”

Wir sollten das Licht nicht auf die Fehler lenken, sodass all das Gute, Perfekte verblasst. DAs lässt sich auf uns selbst, aber auch auf Bücher übertragen. In diesem Sinne: Lest das Buch einfach sobald ihr könnt – es lohnt sich definitiv!

Und wie immer empfehle ich allen, die sich nicht trauen, das Buch im Original zu lesen. Es ist nicht schwer geschrieben – probiert es doch einfach mal aus.

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