Rezensionen

Rezension: Silent Guy

Silent Guy: Lautlos in mein Herz
Lisa Torberg
232 Seiten

Okay, wie soll ich es sagen? Alle, die mich schon länger ein bisschen kennen, wissen, dass ich eigentlich Bücher nicht verreiße. Bücher sind Geschmackssache und deshalb merke ich zwar manchmal an, was ich nicht mochte, aber ich finde es respektlos Autoren gegenüber, wenn man Ihr Werk einfach nur nieder macht. Das hier war allerdings nichts für mich. Geschmäcker sind so unterschiedlich, deshalb sage ich Euch heute einfach mal, für wen das Buch eventuell etwas sein könnte. VORSICHT: dafür werde ich wohl recht kräftig spoilern. Also zeige ich Euch jetzt den Klappentext und dann solltet Ihr aufhören zu lesen, wenn das Buch für Euch interessant klingt.

Hier erstmal alles zum Buch:

Tom ist unwahrscheinlich attraktiv aber er stottert.
Seine Mutter erträgt ihn deshalb nicht und wirft ihn bei der erstbesten Gelegenheit raus. Er leidet stumm. Das ändert sich auch nicht, als er die Laufstege der Welt erobert. Mit den Gagen finanziert er sich sein Studium und mit Ende zwanzig macht er endlich das, was er liebt. Fernab vom Rampenlicht designt er für AJ-Fashion seine eigene Kollektion, ohne in Erscheinung zu treten. Er arbeitet schweigsam, lebt auf seinem Hausboot in Little Venice und geht seinen Mitmenschen grundsätzlich aus dem Weg. Aber dann stirbt sein Geschäftspartner …

Was tun, wenn man nach und nach fast alle Menschen verliert, die man liebt? Charly weiß es: sich in der Arbeit vergraben. Jeder berufliche Erfolg befriedigt sie ohnehin mehr, als ein Mann es jemals tun könnte. Und Gefühle werden grundsätzlich überbewertet. Dass dem doch nicht so ist, merkt sie, als ihr Onkel stirbt. Sie verlässt Kalifornien und fliegt nach London, um AJ-Fashion zu übernehmen. Dort trifft sie auf Tom …

Dieser Roman ist in sich abgeschlossen. Hier gibt es garantiert keinen Cliffhanger, der auf der letzten Seite eine Fortsetzung verspricht dafür aber ein Happy End

Quelle: Lisa Torberg

Der Klappentext hat mich neugierig gemacht – und ich bin zufällig zeitgleich mit Diana von Magictimes drüber gestolpert. Deshalb wollten wir das Buch zusammen  lesen (hat null geklappt, das ist aber eine andere Geschichte):

Für wen könnte das Buch das Richtige sein?

  • Es stört dich nicht, wenn Geschichten nicht zum Klappentext passen. 

Du bist spontan, lässt dich gern überraschen und wenn das Buch ganz anders ist als beschrieben, dann ist das voll dein Ding? Volltreffer – das ist Dein Buch!

Das Einzige was eventuell passt, ist dass Tom attraktiv ist. Kam kopfmäßig bei mir nicht so recht rüber, aber er wird zumindest so beschrieben. Das Stottern… hat er bestimmt mal. Irgendwann. Früher. Aber die Male, die er im Buch stottert kann man an einer Hand abzählen – und besonders ruhig ist er auch nicht. Geht er Menschen deswegen aus dem Weg? Nö, überhaupt nicht. Er arbeitet relativ normal, mag es nur nicht im Vordergrund zu stehen. Er geht jedes Wochenende in Clubs, er geht essen, ich fand ihn jetzt überhaupt nicht so zurückgezogen wie beschrieben.

Auch die berufliche Vergangenheit von Charly… Erfolge? Nun ja – eigentlich war da nicht viel mir Erfolgen und glücklich war sie auch nicht mit ihrem Job.

Dazu kommt noch eine abstruse Kriminalgeschichte “Ich bedrohe Dich” á la 50 Shades of Grey und ein paar Nebenstränge, die wohl die Seiten füllen mussten.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe. Emotionen? Die Geschichte von jemandem, der sich nach einer harten Vergangeheit ins Leben zurückkämpft? Irgendwas besonderes? Im Nachhinein empfinde ich den Klappentext als lächerlich, weil er einfach nicht zur Geschichte passt.

  • Dir reicht es, wenn ein paar Kapitel gut sind

Ich hatte anfangs Schwierigkeiten in die Geschichte zu finden. Der Prolog ist ein kleiner Ausblick in die Zukunft der neugierig machen soll bevor wir dann die Protagonisten kennenlernen. Schnell war mir klar: Tom ist nicht unbedingt mein Typ. Dann kamen aber so einige Kapitel, in denen ich mich mit dem Schreibstil angefreundet hatte und in denen ich sogar ganz neugierig war.

Rückmeldung an Diana (soviel zum Thema zusammen lesen):

Ihr seht, ich habe sie definitiv NICHT mit meiner Meinung beeinflusst weil ich so unglaublich neugierig war, was sie denkt. Was ich ihr nämlich nicht gesagt habe: Ich fand es zwar eine Zeit lang ehrlich gut (wenn sich großzügig bin: 4-5 Kapitel)… aber dann wird es absolut grotesk. Augen verdrehen und Mund offen grotesk! Die beiden begegnen sich und irgendwie passten die Charaktere und Handlungen null. Ja, ich mag starke Frauen, das ist gut. Frauen müssen keine Mäuschen sein. Sie sollen selbstständig sein und sich gerne auch durchsetzen. Aber DAS war komisch. Und er ist so ein sie anhimmelndes Weichei. Oder um es positiv auszudrücken, ich will das Buch ja eigentlich nicht schlecht machen: Er ist sehr empfindsam und zurückhaltend.

  • Du magst Klischees in Büchern

Ich kann gut mit Klischees umgehen wenn Autoren damit spielen. Aber was hier passiert? Wir brauchen einen typischen Schwulen: Check. Wir brauchen einen Schwarzen: Check! Nennen wir ihn doch White mit Nachnamen, haha und weil er so groß ist, bekommt er den Spitznamen Tiny… Sorry, mir wars eindeutig zu viel, aber vielleicht ist es was für Dich?

  • Du magst zusätzliche Nebenstränge?

Du magst es, wenn man eine abwechslungsreiche Geschichte hat und eventuelle eine kleine Geschichte nebenbei bekommt, die total unwichtig ist, aber Seiten füllt und am Ende noch ganz spektakulär enthüllt wird? Die Vergangenheit oder Besonderheiten von Personen kennenlernt, die völlig unwichtig für die gesamte Story sind? Bingo, das ist DEIN Buch.

Ich bin froh, dass mir am Ende noch erzählt wurde, dass Oxana eigentlich ständig nur Böses im Sinn hatte und dass ich Frater Aaron White kennenlernen durfte. Und dass am Ende auch noch aufgeklärt wurde WER Charlys beste Freundinnen eigentlich sind –  hervorragend und sehr wichtig!

  • Du magst logische Bücher ohnehin nicht so gern

Du liest Bücher gern um abzuschalten und ob das irgendwie passt ist egal? Na super: Das Buch ist für Dich. Diana und ich waren uns auch hier ziemlich einig. Wollt Ihr ein Beispiel zu unseren Gedanken?

Nein, es wird nicht logischer, indem man sich eine dusselige Erklärung ausdenkt.

  • Hauptsache, was zu lesen

Ich könnte noch so einige “lustige” Gründe nennen. Hochdramatische Flucht (“Sie müssen aus London verschwinden. Sofort”), Emotionen gleich null zwischen den Protagonisten aber Hauptsache wir quetschen auf den letzten Seiten noch ein Happy End rein, obwohl sie eigentlich nie so richtig was miteinander zu tun hatten und: ob irgendwelche Menschen, die stottern, das Buch testgelesen haben, das wage ich zu bezweifeln.

Wenn Du einfach nur lesen willst, ohne Sinn und Verstand: Tataaaa, dein Buch.

Allen anderen kann ich das Buch leider nicht ans Herz legen. Aber hey, wenn ich euch neugierig gemacht habe und ihr trotz diverser Spoiler noch das Buch lesen wollt? Diana und ich freuen uns auf Rückmeldung.

Es tut mir wirklich Leid für die Autorin, dass ich das Buch hier so direkt und für meine Verhältnisse böse kritisiere. ABER – wer so eine Mogelpackung verkauft, denn das ist es mit dem Klappentext und dazu eine Story schreibt, die nicht ansatzweise was damit zu tun hat- da mache ich es ausnahmsweise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.