Rezensionen

Rezension: The hate u give

The hate u give
Angie Thomas
cbj Verlag
512 Seiten

Ich danke der Netzwerkagentur Bookmark und dem Verlag für das Rezensionsexemplar – meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

Klappentext:
Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen…

Meine Meinung:
Thug (wenn man den Titel senkrecht liest, kann man das Wort erkennen) = Verbrecher oder Krimineller

Thug life = The hate u give little infants fucks everybody. Thug life war ursprünglich eine Musikgruppe, die von Tupac gegründet wurde. Die Bedeutung dahinter (Der Hass, den man kleinen Kindern mitgibt, fällt auf jeden zurück)  wird Starr von ihrem Kindheitsfreund Khalil erklärt – an dem Abend, als er erschossen wird, von einem weißen Polizisten. Der Titel ist also echt richtig gut gewählt und – ja, ich verstehe es und es stimmt!

Das erstmal grob als Einleitung aber  – musste sich jemand von uns schon grob darüber Gedanken machen? Die meisten von uns wahrscheinlich nicht!

Das Buch hat mich neugierig gemacht – aber dass es mich so extrem begeistern und mitnehmen würde, damit habe ich nicht gerechnet. Wir werden quasi in die Welt von Starr geworfen – Starr, die in einem ziemlich üblen Viertel lebt, in der Gangs gegeneinander kämpfen und Kriminalität und Drogen an der Tagesordnung sind. Starr ist ein bisschen zwischen den Welten. In ihrem Viertel wird sie eher als versnobt wahrgenommen, an ihrer Privatschule fühlt sie sich wohl und hat auch Freunde – sie kann aber nie ganz sie selbst sein, weil sie nicht zu sehr als Ghetto-Mädchen rüberkommen will.

Das Setting ist teilweise das, was man als Ghetto bezeichnet – und die meisten Charaktere auch. Starrs Eltern aber wollen für Ihre Kinder (ja, da gibt es mehrere aber ich gehe jetzt mal nicht weiter auf die doch eher interessante Konstellation ein) etwas besseres. Sie selbst haben in der Vergangenheit auch ihre Fehler gemacht, haben aber dafür gebüßt und haben gekämpft – für ein besseres Leben.  Dennoch wollen sie helfen – anderen, um nicht die gleichen Fehler zu machen und ihrem Viertel Garden Heights – denn Drogen, Gewalt, Waffen, all das ist allgegenwärtig, Starr musste schon früh sehen, wie eine Freundin im Alter von 10 Jahren aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen wurde – einfach so tot! Außerdem haben sie ihren Kindern schon früh die Regeln beigebracht, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie es mit Polizisten zu tun haben.

“Starr-Starr, du machst alles, was sie sagen”  meinte er. “Halt Deine Hände so, dass man sie sieht. Mach keine plötzlichen Bewegungen. Red nur, wenn Du gefragt wirst.

The hate you give, Seite 29

Khalil missachtet eine dieser Regeln, seine Eltern haben dieses Gespräch wohl nicht mit ihm geführt und wird erschossen – ohne Grund – von einem weißen Polizisten.

Ja, so fängt es eigentlich an – und ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen. Natürlich hat man schon viel in den Medien gelesen, aber wenn man es in diesem Buch liest, aus der Sicht von Starr und all ihre Gefühle vor Augen hat und quasi selbst fühlen kann? Puhh, das ist nochmal was ganz anderes. Ich konnte ihre Ängste spüren, wenn wieder weiße Polizisten in der Nähe waren, ihre Machtlosigkeit und das Gefühl, es nicht verstehen zu können. Warum darf man so behandelt werden, nur weil man eine andere Hautfarbe hat? Und erleben zu müssen, wie das Opfer langsam zum Täter gemacht wird, wie alles negative aus der Vergangenheit ausgegraben wird, um diese Schüsse zu rechtfertigen? Aus Starrs Sicht nicht zu verstehen – und ich fühlte wie sie, weil das Buch gut geschrieben ist. Ich fühlte Angst, viel Wut, eine Menge Zweifel und Unverständnis.

Auch kleinere Dinge wie Alltagsrassismus unter Freunden (“Ach, das habe ich doch gar nicht so gemeint”) hat mir dieses Buch gezeigt. ABER es hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist mutig zu sein, obwohl man Angst hat. Wie wichtig es ist, zusammenzuhalten. Wie wichtig es ist, nicht aufzugeben. Wie wichtig es ist, für andere da zu sein. Und natürlich wie wichtig es ist, seine Meinung und die Wahrheit zu sagen – Black lifes matter! Es ist so wichtig, dass es Organisationen gibt, die helfen, dass Promis dahinter stehen und nach diesem Buch kann ich sogar die öffentlichen Proteste auf den Straßen noch mehr nachvollziehen.

Das Buch hat mich so unglaublich ergriffen und begeistert – weil ich die Geschichte durch Starrs Augen sehen konnte. Schreiben kann Angie Thomas definitiv und sie hat mich mit ihren Worten gepackt. Schonungslos und ehrlich aber auch auf beiden “Seiten”. Die Schwarzen werden nicht in den Himmel gelobt und als Unschuldslämmer dargestellt, genauso wenig aber auch die weiße Bevölkerung. Es ist einfach so, wie man sich das Leben einer 16-Jährigen vorstellen könnte, die in einem schwierigen Viertel lebt und dennoch das Glück hat, auf eine gute Schule zu gehen. Verschiedenste Charaktere prallen in diesem Buch aufeinander – allerdings fand ich die Wahl der Personen wirklich gut. Man könnte eventuell meinen, dass es ziemlich klischeebehaftet ist, reiche weiße Kids und schwarze Bandenmitglieder als Umfeld zu haben – das habe ich aber so überhaupt nicht empfunden und ließ die Welten ziemlich aufeinander prallen. Starr zweifelt oft daran, ob diese Welten, in denen sie lebt, überhaupt miteinander verbunden werden können. Auch hier konnte ich wieder ihren extremen Zwiespalt und die Gefühle total nachvollziehen – sensationell geschrieben!

Die Rezension zu diesem Buch fiel mir übrigens wahnsinnig scher. Ich habe viel zu viel geschrieben und etliches wieder gelöscht – was ich aber unbedingt noch als Fazit sagen muss:
Ein ganz großartiges Buch, das mich wirklich gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Die Thematik ist wichtig aber es ist zudem noch unglaublich gut umgesetzt: Ich habe dieses Buch absolut gefühlt!

 

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