Rezensionen

Rezension: Über alle Grenzen

Über alle Grenzen
Maya Shepherd
Sternensand Verlag
544 Seiten

Klappentext:
Eine Liebe, die sich über jedes Hindernis hinwegsetzt. Eine Liebe, die unter die Haut geht. Eine Liebe, die keine Grenzen kennt. Wörter, Zahlen und Sätze zieren Annas Körper. Dort, wo niemand sie sieht. Unauslöschbar sind sie in ihre Haut geritzt. Sie bleiben für immer und verschwinden nicht einfach wie ihr Vater, der ihre Mutter für eine Jüngere verlassen hat. Yasin kommt aus dem Kosovo. Wie viele Flüchtlinge sucht er in Deutschland Schutz, in der Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben. Er spricht fließend Deutsch und trotzdem hört ihm niemand zu. Niemand sieht ihn. Bis er Anna begegnet. Das traurige und verschlossene Mädchen ist der erste Mensch, der ihn als Person und nicht nur als Flüchtling sieht.

Meine Meinung:
Das Buch behandelt ein absolut aktuelles und wichtiges Thema, über das teilweise ganz Deutschland diskutiert. Die Autorin stellt selbst in ihrem Nachwort klar, dass sie keine Stellung beziehen sondern zum Nachdenken anregen möchte. Das ist ihr absolut gelungen.

Die Geschichte von Anna und Yasin ist erfunden, könnte aber so passiert sein – die Hintergründe sind unglaublich gut recherchiert. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wieviel Zeit Maya Shepherd hierfür investiert hat. Obwohl Yasin eine fiktive Figur ist, hat mich sein Weg mehr als einmal schockiert und traurig gemacht. Überall auf der Welt gibt es Yasins, die diesen Weg gehen müssen und das ist einfach kaum vorstellbar für die meisten von uns.

Am Anfang lernen wir Anna kennen – Anna verliert bei der Trennung ihrer Eltern eigentlich alles, ihr Umfeld, ihre Freunde, Geld. Sie zieht mit ihrer Mutter alleine nach Köln und muss alles hinter sich lassen, was sie sonst ganz selbstverständlich hatte. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter, die selbst in Trauer gefangen oder bei der Arbeit ist, leidet. Anna fängt an sich zu ritzen – durch den Schmerz und die Faszination des Blutes vergisst sie ihren seelischen Kummer. Alleine diese Geschichte für sich ist gut ausgearbeitet und hat mich, selbst Mutter, ergriffen und beschäftigt.

Durch Yasin und seine Vergangenheit, die wir als Leser in Rückblicken erfahren, fängt Anna an, eine andere Sicht auf das Leben zu nehmen. Die beiden nähern sich langsam und freundschaftlich an, was aber nicht immer einfach ist für beide Seiten.

Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, geht es in diesem Buch um Rassismus, Ängste, Vorurteile, aber auch Familie, Mobbing und Politik –  es ist mit ganz viel Feingefühl und ohne zu viel Kritik geschrieben. Ängste werden nicht verurteilt aber das Buch regt zum Denken an und zeigt verschiedene Sichtweisen.
Es gab so viele Textstellen im Buch, die ich markiert habe weil sie soooo gut waren.
Auch wenn es kein leichtes Thema ist: Das Buch lässt sich unglaublich gut und schnell lesen. Es ist spannend, Anna auf ihrem Weg zu begleiten.

Dieses Buch hat es neben „It ends with us“ und der Reihe „Das Reich der sieben Höfe“ in meine TOP 3 meiner bisherigen Jahreshighlights geschafft (und das ist bei über 80 bisher gelesenen Büchern 2017 eine Leistung).
Ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen. Ich bin so froh, dass ich diesem Buch eine Chance gegeben habe und danke Maya Shepherd für ihr Vertrauen, dass sie mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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