Rezensionen

Rezension: Was geschah mit Femke Star

Was geschah mit Femke Star
Kerstin Ruhkieck
Drachenmond Verlag
430 Seiten

Ach. Du. Scheiße!

(Was geschah mit Femke Star, Kapitel 4)

So kann man das Buch in alle Richtungen beschreiben.

Bei Facebook und Insta habe ich das Buch so oft gesehen und dennoch hatte ich nur eine grobe Ahnung, was auf mich zukommt. Aber die ersten 12 %? WAS genau läuft denn hier ab? Ich war völlig verstört, irritiert – aber auch neugierig. Damit hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet und es war teilweise auch ein bisschen eklig, besonders wenn man sich Dinge gut im Kopf vorstellen kann. Ich werde hier nicht sagen, was ich meine – das wäre ja langweilig, ich finde jeder sollte die Möglichkeit haben, das selbst zu erleben, ohne Vorwissen, so wie ich.

Insgesamt lässt sich das Buch nur sehr schwer vorstellen ohne zu spoilern – was ich aber sagen kann ist, dass ich durchgehend sowohl irritiert, schockiert als auch gefesselt war.

Das Buch ist schon sehr krass und zeigt die menschlichen Abgründe – und die daraus entstehenden Folgen. Die Autorin hat es sehr wohl geschafft mich aufzuwühlen und hat einige sensationelle Passagen in ihrem Buch. Worte, die zum Nachdenken anregen und das in vielerlei Hinsicht.

Auch Anouk, die uns als Protagonistin durch das Buch führt, muss schmerzhaft erleben, dass man nicht vorschnell urteilen sollte. Von außen betrachtet mag alles ganz anders aussehen – aber manchmal lohnt sich ein Blick hinter die Fassade oder man sollte mit den Personen sprechen, ihnen helfen.

Ich brauchte ein paar Tage, um das Buch sacken zu lassen. Kurzzeitig hat mich das Buch zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits war ich begeistert, weil es so verstörend, so anders, brutal und schockierend ist. Andererseits war es mir auch fast einen Tick zu viel. Ja, wir lesen die Geschichte aus der Sicht eines jungen Mädchens, das nach und nach immer weiter in einen Strudel gezogen wurde, aber man hat beim Lesen das Gefühl, dass doch nicht alle so sein können? Ja, ich weiß, dass die Welt ein böser Ort sein kann und wenn man selbst von so einer Art Mobbing betroffen ist, dann gibt es oftmals keine Hilfe. Insofern – auch wenn es mir selbst manchmal wirklich ZU krass erschien – die Wirklichkeit einer anderen Person kann aus einer anderen Perspektive ganz anders aussehen.

Perspektive + X= individuelle Wahrheit

(Was geschah mit Femke Star, Requiem)

Auch das Ende hat mich als Leserin irritiert zurückgelassen. Man kann sich seinen Teil zurecht reimen und die eigenen Gedanken machen – man kann aber den Dingen noch tiefer auf den Grund gehen und der Autorin eine E-Mail schreiben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das will oder ob mir “meine” Sicht auf die Dinge reicht.

Jetzt, nach ein paar Tagen, fand ich das Buch und so wie es geschrieben ist, einfach nur sensationell. Ja, es zeigt eine kranke Gesellschaft, aber die gibt es. Mobbing, sexuelle Übergriffe, “Verurteile mich erst wenn du in meinen Schuhen gelaufen bist”, Victim Blaming, Slut Shaming – so extrem wichtige Themen, die zu oft unter den Teppich gekehrt werden.

Als Fazit: Ein Buch, das mal ganz anders ist. Ich habe nicht ansatzweise erwartet, was da auf mich zukommt. Es enthält brisante Themen, die schonungslos dargestellt werden und wirklich, wirklich schockieren. Das, was für mich manchmal zu viel war, ist auch irgendwie genial eingesetzt. Die Art wie es geschrieben ist – puhhh, anders, aber passt genau zum Buch und ist echt gut gemacht. Es ist nichts für zarte Gemüter, es regt absolut zum Nachdenken an und ich kann es allen empfehlen, die kein Problem damit haben, solche Thematiken zum Thema Missbrauch und Mobbing zu lesen.

Das Buch

Jedes Mädchen hat ein schmutziges Geheimnis. Jedes. Auch du.
Doch was würdest du tun, wenn dein Geheimnis eigentlich meins wäre, und nur ich, nicht du, die Wahrheit kenne?

Einst waren Femke und Anouk beste Freundinnen, bis ein Verrat die beiden entzweite. Was blieb, war die Hassliebe zweier Mädchen, die sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt hatten. Doch als Femke eines Tages Anouk um Hilfe bittet, kommt es zu einem schrecklichen Unfall, der Anouks Leben für immer verändert.
Von hässlichen Erinnerungsfetzen geplagt, versucht Anouk herauszufinden, was Femke widerfahren ist, und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens. Und auch die Zeit arbeitet gegen sie, als Anouk die Hauptverdächtige eines Verbrechens wird, das sie nicht begangen hat … *** Triggerwarnung: Dieses Buch enthält mögliche Auslösereize, die bei Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung zu einer Verschlechterung ihrer Symptome führen können.

Quelle: Drachenmond Verlag

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